Wie der Profi denkt und jagt


Der Erfolg gibt uns recht...



 

Nicht die Zahl der erlegten, sondern vielmehr die Zahl der überlebenden Krähen ist das Entscheidende.

 

Es muss also so gejagt werden, dass möglichst wenige Krähen in die Schonzeit gehen. Das gelingt nicht, wenn die Vögel durch unfähige oder unwillige Jäger "schlau gemacht" werden.

 

Oft ist zu hören oder zu lesen, dass ja im nächsten Jahr dann wieder leicht zu bejagende Jungkrähen nachwachsen, dies ist aber ein Trugschluss. Krähen können gemachte schlechte Erfahrungen weitergeben. Sowohl an vorhandene Artgenossen als auch an den Nachwuchs. Dies wurde auch von der Wissenschaft so bestätigt.

 

Dazu gab es das "crow and the masked man" Experiment der Universität Seattle im Rahmen dessen auf dem Campus sieben Krähen eingefangen und von einer maskierten Person geärgert wurden. Als die Krähen auf den maskierten Menschen mit Angriffen und Geschrei reagierten, lies man sie frei. Die Amerikanerkrähen reagierten auch dann noch auf den maskierten Mann, selbst wenn dieser unauffällig in einer Menschenmenge unterwegs war. Binnen kurzer Zeit reagierten aber nahezu ALLE Krähen auf die Maske, auch die, die nie mit dem Maskenmann selbst schlechte Erfahrungen gemacht haben. Und selbst die nachfolgenden Krähengenerationen reagieren immer noch auf den die Maske tragenden Mann...

 

Die Wissenschaftler sind sich hier einig, daß Krähen Erfahrungen austauschen können. Wenngleich man noch nicht genau sagen kann, wie das genau funktioniert. Ein Erklärungsversuch ist das sogenannte "morphogenetische Feld", ein Phänomen zu dessen Erläuterung meist das Beispiel der Blaumeisen in England um die Zeit des 2. Weltkrieges angeführt wird.

 

Wer erfolgreich Krähenjagen will, muss wissen wie der Profi denkt und jagt!

Nehmen Sie die Tipps vom Profi an.

 

Vor dem Krieg wurden Milchflaschen von Lieferdiensten vor den Haustueren abgestellt.Die Deckel dieser Flaschen waren aus relativ dünnen Alublech,und einige Blaumeisen lernten diese Aludeckel aufzuhacken. Bald waren in ganz England diese Deckel öffnenden Meisen zu beobachten. Es kam der Krieg, Aluminium wurde zum Flugzeugbau benötigt und wurde zu wertvoll um Milchflaschen zu verschliessen. Die Meisen konnten sie nimmer aufhacken. Rund 10 Jahre später , als alle Meisen die je so einen Aludeckel geknackt hatten längst gestorben waren, war Alu wieder verfügbar und die Milchflaschen wurden wieder mit Alu verschlossen...binnen weniger Tage wurden wieder Blaumeisen beim Aludeckelöffnen beobachtet und das obwohl alle Meisen die das gelernt hatten tot sein mussten und die lebenden Meisen seit Generationen keine Gelegenheit hatten die Fähigkeit zu nutzen oder zu erlernen. Die Wissenschaft sieht es aber als Nachweis dafür, dass auch hier eine generationsübergreifende Weitergabe von Erfahrungen stattgefunden hat. 

Was heisst das für die Krähenjagd?

Jeder Fehler des Jägers der von einer Krähe bemerkt wird kann in kurzer Zeit in nahezu der gesammten Population und deren Nachkommen bekannt sein und wird weit über die Reviergrenzen hinausgetragen. Was zu Anfang der Krähenjagd in Deutschland als Standard und sogar Mittel der Wahl galt, nämlich ein Schirm aus Tarnnetzen im freien Feld stehend funktioniert jetzt in vielen Gegenden so gut wie gar nicht mehr. Der "Kasten" im freien Feld nahe am Lockbild ist als Gefahr bekannt, auch unter Jungkrähen die sowas am Anfang der Jagdzeit noch nie gesehen haben. Der Schirm muss daher in natürlicher Deckung und mit natürlichem Material unsichtbar getarnt werden darf auf keinen Fall als Fremdkörper auffallen.

 

Da Krähen täglich auf Artgenossen zufliegen um Futter zu finden ist das Lockbild an und für sich nicht geeignet, Misstrauen zu erwecken, solange hier nicht mit Firlefanz wie Gleitern, Magneten usw. oder durch ständig gleiche Formation und Anzahl ein Wiedererkennungswert geschaffen wird. Dann kann man auch jahrzehntelang erfolgreich Krähen jagen.

 

Leider sind mittlerweile viele unbesorgte Pfuscher unterwegs, dass in vielen Gegenden im Winter in der deckungslosen Feldflur die Krähenjagd nicht mehr erfolgreich betrieben werden kann. Aufgrund dieser Tatsache ist es vielleicht verständlich, dass erfahrene, passionierte Krähenjäger oft recht vehement reagieren, wenn übermäßige "Stümperei" veröffentlicht wird. Denn wenn diese Schule macht, wird die Krähenjagd weiter erschwert - und die Rechnung bekommt unser Niederwild.